Bamberg hat nicht nur viele Kirchen, sondern auch viele Klöster. Und da gab es früher ein verdammt gutes Bier, aber auch immer besondere Leckereien zu essen. Schließlich lebten dort talentierte Mönche, die darauf bedacht waren, im Refektorium – dem Ort der Erquickung, wie die klösterliche Kantine genannt wurde – für Abwechslung im Speiseplan zu sorgen. Vielleicht haben sich auch die Bamberger Ordensbrüder ein Beispiel an ihren Kollegen im portugiesischen Kloster Belém nahe Lissabon genommen, denn die haben wohl schon im 18. Jahrhundert eine zeitlose himmlisch-süße Verführung kreiert, die auch in unserer Domstadt zu finden ist.
Sandra Kuglmeier, die das niedliche Laden-Café „Zuckerstück“ in der Sandstraße führt, serviert ein kleines sengend heißes Gebäck, das im Original „pastel de nata“ genannt wird – ein Sahnetörtchen also. Was das Ganze mit dem Leben im Kloster zu tun hat? Dort wurden früher die frisch gewaschenen Kleider mit Eiweiß gestärkt, damit sie ordentlich Form und Fassung bewahren. Reichlich Eigelb blieb übrig. Das haben die cleveren Gottesmänner aus Belém mit etwas Sahne verrührt, in Teigförmchen gefüllt und gebacken. Als das Kloster Pleite ging, wurde es samt Rezept verkauft. Das süße Küchlein trat seinen Siegeszug um die Welt an.
Klöster stehen also nicht nur für Entbehrung und ewig dauernde Fastentage, sondern auch für Genuss und kreative Resteverwertung. Wie schön, dass wir zwischen Kloster Michelsberg und ehemaligem Dominikanerkloster eine winzige Oase der Glückseligkeit finden, die uns eine traditionelle Köstlichkeit alter Klosterküchen serviert: das „pastel de nata“ – das Herzstück vom „Zuckerstück“!