Alle Jahre wieder feiern wir in Bamberg Fronleichnam – ein Hochfest der katholischen Kirche. Mehr noch: Es ist in der Domstadt sichtbares Zeichen gelebten Glaubens und lebendiger Tradition. Doch was hat das mit der Kulinarik zu tun? Eine ganze Menge, vor allem für eine kleine Familienmetzgerei in der Innenstadt. Im historischen Innenhof der Kapuzinerstraße 14 zwischen altem Fachwerk inmitten der Produktionsstätten veranstaltet jährlich Alexander Hornung mit seinem Team das „Fronleichnamsgrillen“. Ein fester Treffpunkt vor allem für Bamberger Urgesteine, für Besucher unserer Stadt und natürlich auch für diejenigen, die sich nach der Fronleichnamsprozession stärken wollen und müssen. Kein Wunder, dass dort dann auch viele der Männer eintreffen, die zuvor die schweren, prunkvoll geschmückten Statuen durch die Stadt getragen haben.
Alle, die sich hier versammeln, dürfen sich über ehrliche Handwerkskost freuen – ohne Tamtam kommen Hornungs prämierte Bratwürste auf den Grill, mit einem Duft, der – so der Chef – „mehr Leute anzieht als jede Kirchenglocke“. Feiertag feiern – und zwar richtig, so heißt die Devise bereits seit 1955. In diesem bedeutungsschweren Jahr, in dem Deutschland seine staatliche Souveränität zurück bekam, beschloss der Opa von Alex Hornung, dass es Zeit sei, einmal all denjenigen Dank zu sagen, die ihm das Jahr über beigestanden haben. Es waren die zahlreichen Handwerker, die der Familie in den Aufbruchsjahren nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder tatkräftig unter die Arme griffen. Als Dank für diese Unterstützung inszenierte Opa Karl das Fronleichnamsgrillen und spendierte den fleißigen Helfern kostenlose Bratwürste.
Aus dieser Geste der Dankbarkeit ist heute ein fester Brauch geworden, und alle Gäste sind herzlich willkommen. Natürlich gibt es für uns die Bratwürste nicht umsonst (heuer waren es übrigens ungefähr 1500 Stück, die auf dem Grill landeten), aber das ist ja auch ganz logisch – denn wir sind ja auch keine Handwerker, sondern Besucher. Doch wir dürfen ein bisschen heile Welt zwischen den alten Häuserwänden genießen – eine sommerliche Grillparty mit einem Hauch Nostalgie, ein betörender Duft nach Gegrilltem, der an früher erinnert und der ein bisschen die Zeit anhält. „Und ja“, so sagt mir Alex Hornung, „solange die Familie, die Geschwister und deren Partner uns helfen, wird die Tradition weiter bestehen“. – Danke, lieber Alex Hornung an Dich und all Deine „guten Geister“.
Foto: Ursula Medenwald