Bamberger Wein

Klar, ohne Frage ist Bamberg mit seinen 15 Brauereien eine Bierstadt und weit über die Region für seine Braukultur bekannt. Allerdings liegt die Stadt direkt an der Grenze zwischen Wein- und Bierfranken. Bereits 10 Kilomenter hinter Bamberg, ab Unterhaid, reihen sich die Weinberge an den Ufern des Mains entlang. Aber wusstet Ihr, dass wir auch in der Stadt unseren eigenen Weinberg haben?

Vom “Ranzenbeißer” zum edlen Tropfen

Der Weinanbau in der Stadt hatte eine Jahrhunderte lange Tradition. Allerdings galt der Bamberger Wein, wohl wegen seines großen Säuregehalts, früher oft als “Ranzenbeißer”. Der Weinanbau in Bamberg war auch nicht sehr ertragreich und wurde schließlich um 1900, nach der sogenannten kleinen Eiszeit und den damit einhergehenden Mißernten, komplett eingestellt. Im Jahr 2009 kehrte der Weinbau allerdings wieder in Bambergs Altstadt zurück! Am sonnigen Südhang des Michaelsbergs, der auch früher schon als Weinberg genutzt wurde, wurden auf 0,8 Hektar wieder an die 4000 Silvanerreben gepflanzt, die sich im dortigen sandigen Boden besonders wohlfühlen. Zur Landesgartenschau im Jahr 2012 war der erste Jahrgang schon trinkfertig. Der Winzer Martin Bauernschmitt aus Zeil am Main baut den Wein in Bamberg an, der unter der Marke “Bamberger Stiftsgarten” verkauft wird.

Auf verwunschenen Pfaden

Nicht nur an einem sonnigen Tag im Herbst lohnt sich ein Spaziergang zum Kloster St. Michael. Etwas versteckt ist der Zugang am Beginn der Aufseßstraße, hinter einem vergitterten Tor. Ab hier schlängelt sich ein Panoramaweg an Hecken, Obstwiesen, Weinberg und der barocken Gartenanlage entlang. Hat man den etwas beschwerlichen Aufstieg hinter sich gebracht, so wird man belohnt mit Bambergs schönster Aussicht. Bis weit in die Fränkische Schweiz kann man hier an klaren Tagen schauen. Von hier aus kann man auch das Dächergewirr der Altstadt, den Dom, die Residenz und natürlich auch den Weinberg in seiner vollen Ausdehnung bestaunen. Hungrigen Spaziergängern seien hier das Café am Michaelsberg und das italienische Restaurant “Ristorante Da Francesco” mit ihren schönen Außenterrassen zur Stärkung empfohlen.

Der Bamberger Stiftsgarten

Die ehemalige Klosteranlage St. Michael mit dem Weinberg und den umgebenden Streuobstwiesen sind heute Teil der Bürgerspitalstiftung Bamberg. Deren Stiftungszweck ist die Fürsorge für alte Menschen im Bürgerspital, das sich im Klosterkomplex befindet. Nicht nur der Wein, sondern auch Apfelsecco, Spirituosen und Marmeladen werden aus den Früchten des Gartens gewonnen und in den Stiftsläden am Kloster oder in der Stadt unter der Marke “Bamberger Stiftsgarten” verkauft. Voll hängen hier die Zweige der Bäume mit allerlei bunten Früchten. Gelb leuchten die Quitten in der Sonne und duften verführerisch. Doch liebe Spaziergänger aufgepasst, Mundraub ist hier nicht erlaubt!

Die Bamberger Häcker

“Häcker” ist der fränkische Name für die Winzer. Darum heißen die temporären Weinwirtschaften bei uns auch Heckenwirtschaft (kurz: Häcke/Hecke). Bei Euch sind sie vielleicht unter der Bezeichnung Straußen- oder Besenwirtschaft bekannt. Die Häcker waren wie die Bamberger Gärtner sogenannte Ackerbürger. Auf der Hälfte ihrer Anbauflächen rund um den Kaulberg, wuchsen Getreide und Obst. Zusätzlich kümmerten sie sich auch als Untertanen um die Weinberge der geistlichen Stifte und Klöster. Obwohl es heute kaum noch Häcker in der Stadt gibt (wenn, dann nur noch im Nebenberuf) werden deren Traditionen bis heute gepflegt. So findet seit dem 17. Jahrhundert alljährlich am Dreifaltigkeitssonntag (am ersten Sonntag nach Pfingsten) die Urbaniprozession statt. Ausgehend von der Pfarrkirche Unserer Lieben Frau (auch Obere Pfarre genannt) verläuft die Prozession am Kaulberg entlang bis zum Kreuz am Laurenziplatz. Bei der Prozession wird die Figur des Heiligen Urban, dem Schutzherren der Winzer und Weinberge, durch die Straßen getragen. Wer mehr über die Bamberger Häcker (und Gärtner ) erfahren möchte, dem sei an dieser Stelle ein Besuch des Gärtner- und Häckermuseums empfohlen.

Tipps für Frankenweingenuss in Bamberg

Trotz der überwiegenden Wirtshausgatronomie und den zahlreichen Brauereien, wird die fränkische Weinkultur in der Stadt mehr und mehr gepflegt. Ein paar Tipps und gute Adressen für Liebhaber der fränkischen Weine will ich Euch in dieser Stelle verraten. Im Restaurant Kropf und Restaurant Kleehof in der Gärtnerstadt werden z.B. ausschließlich fränkische Weine und Spirituosen ausgeschenkt. Die Weinstuben Rückel in der Habergasse und die Weinstube Nüsslein in der Karolinenstrasse sind Kult und wer einen edlen fränkischen Tropfen zum Mitnehmen sucht, wird in den Vinotheken Edelfrei, Scharfenberg, Heinrich & Heinrich und bei Delikatessen Müller fündig. Jährlich wird im Juni in der Stadt ein Weinfest gefeiert.

Fränkische Weinsuppe

Suppe mit “Schuss” für 4 Personen (Zubereitungszeit ca. 30 Min.)

  • 1 Zwiebel
  • 1 Karotte
  • 1 El Mehl
  • 1-2 EL Butter
  • 500ml Fleischbrühe
  • 500ml Silvaner
  • 200ml Sahne
  • Salz, Pfeffer, Muskat, Zimt
  • Weißbrot

Zubereitung

  1. Zwiebel und Karotte schälen und in kleine Würfel schneiden. In Butter anbraten und nach wenigen Minuten mit etwas Mehl anschwitzen.
  2. Mit Fleischbrühe und Silvaner ablöschen, mit Salz, Pfeffer und einem Hauch von Zimt würzen und für ungefähr 15 Minuten auf niedriger Stufe köcheln lassen.
  3. Die Suppe durch ein Sieb abgießen oder mit einem Pürierstab fein pürieren. Anschließend Sahne hinzugeben und noch einmal kurz aufkochen lassen.

Nach Wunsch mit gerösteten Brotwürfeln servieren.

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