Geschnittene Hasen

Läuft man in Bamberg an einer Bäckerei vorbei, kann es durchaus vorkommen, dass im Schaufenster oder auf einer Werbetafel vor dem Laden „Geschnittene Hasen“ angepriesen werden. 

Für viele Touristen ist das zunächst sicherlich etwas befremdlich, würde man ein solches Gericht – wenn überhaupt – dann doch wohl eher in einer Metzgerei vermuten. 

Keine Sorge!

Doch keine Sorge, liebe Tierfreunde aus nah und fern, um echte Hasen handelt es sich hierbei zum Glück gar nicht, sondern um ein sehr leckeres, sehr süßes und sehr üppiges Bamberger Mürbeteiggebäck, dass in Schmalz ausgebacken wird. Die Zutaten sind recht einfach, allerdings ist die Machart etwas kompliziert. Insbesondere die verschlungene Form bedarf einiger Übung. Doch dazu später mehr.

Geschnidna Hosn oder Husn?

Geschnittene Hasen, oder wie man auf fränkisch sagt „Gschnidna Hosn“, sind ein typisches Festtagsgebäck und werden gerne z.B. bei einer Kommunion als Gegengeschenk unter den Nachbarn von Tür zu Tür verteilt. Die Herkunft der seltsamen Bezeichnung für das Gebäck ist bis heute nicht ganz geklärt. Die langgezogene Form erinnert tatsächlich auf den ersten Blick an die langen Löffel von Meister Lampe. Doch vielleicht war es aber auch nur die Ähnlichkeit zu einem zerfetzten Stück einer Hose, dass dem Gebäck seinen Namen gab.  Denn Hase und Hose hören sich auf fränkisch ganz ähnlich an. Das schrieb schon Herbert Maaß in den 1960er Jahren in seinem Mundartbuch „Wou di Hasn Hosn un di Hosn Husn haßn“, dass mir kürzlich in meinem Antiquariat zwischen die Finger kam. Bis heute habe ich leider noch keine eindeutige Erklärung gefunden.

Geschnittene Hasen

Ein Fundstück aus dem Antiquariat

In meinem Beruf als Antiquarin liebe ich es, wenn ich in alten Büchern kleine Zettelchen, Briefe, Notizen oder Bildchen finde, die von der Geschichte des Buches und deren Vorbesitzer erzählen. Kürzlich fand ich zwischen den Seiten eines alten Kochbuchs dieses Originalrezept für „Geschnittene Hasen“ aus dem Jahr 1956, dass ich hier gerne mit Euch teilen möchte.

Handgeschriebenes Rezept für Geschnittenen Hasen
Altes Familienrezept für Geschnittene Hasen von 1956

Rezept für Geschnittene Hasen

Nicht nur für Vegetarier ein Genuss für 1 Portion (Zubereitungszeit ca. 1 Stunde)

Ich hatte etwas Mühe, die Schrift zu entziffern aber dort steht:  „480g feines Mehl bröselt man mit 140g Butter fein ab, dann gibt man 4 Esslöffel Zucker, 1 Prise Salz, etwas zerlassenen Zimt, 4 Esslöffel sauren Rahm, 4 Eidotter dazu und verarbeitet es zu einem ganz feinen Teig bis derselbe Blasen wirft, lässt ihn 1 Std. ruhen, zugedeckt. Dann messerrückendick auswalken. Viereckige Flecke schneidet man mit einem Backrädchen. In fingerbreite Streifen teilen, dreh so, dass am Ende ein „x“ bleibt, dass das Ganze zusammenhält. Als dann hebt man den 1. Streifen in die Höhe, steckt einen Kochlöffelstiel durch und lässt den 2. liegen u. sofort, bis man die Streifen aufgefasst hat  (…) Teig am Kochlöffelstiel hängt und im heißen Schmalz schwimmend gebacken“.

Zutaten

  • 480g Mehl
  • 140g Butter
  • 4 Esslöffel Zucker
  • 1 Prise Salz
  • Zimt
  • 4 Esslöffel saueren Rahm
  • 4 Eidotter
  • Schmalz

Also lasst Euch kein X für ein U vormachen und probiert es einfach selber aus oder spart Euch die ganze Arbeit und geht direkt in die Bäckerei Kerling oder in die Bäckerei Seel. Dort findet ihr fast ganzjährig dieses leckere Gebäck im Sortiment!

A propos Hasen, kennt Ihr eigentlich schon die Hasengasse in Bamberg? Lauft mal dort vorbei und versucht an der Fassade eines Hauses den Hasen zu finden.

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